Vor der Tür gepflegte Blumenbeete, auf dem Schuhabstreifer Willkommensgrüße – und doch steht die Ausstellung „Rosenstraße 76“ exemplarisch für Räume, in denen Gewalt zur Tagesordnung gehört.

Die Ausstellung wurde von dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und Brot für die Welt konzipiert. In Form einer ganz normalen (nachgestellten) Wohnung steht sie für einen der Orte, an dem Menschen psychisch und sexuell erniedrigt, geschlagen, vergewaltigt und manchmal auch getötet werden. Schnell wird deutlich, dass die vertrauten vier Wände ein unbemerkter Ort des Schreckens sein können.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass häusliche Gewalt die häufigste Form von Gewalt ist. Sie wissen nicht, dass allein in Deutschland jährlich rund 40.000 Frauen mit ihren Kindern in ein Frauenhaus flüchten. Und dass es auf der ganzen Welt wahrscheinlicher für eine Frau zwischen 16 und 45 ist, von ihrem Partner oder einem nahen Angehörigen verletzt oder getötet zu werden, als durch Krieg oder Terrorismus.

Was hinter den Türen der Rosenstraße geschieht, könnte überall passieren: In engen Großstadtwohnungen oder vornehmen Villen – sogar in Ihrem unmittelbaren Umfeld! Häusliche Gewalt betrifft alle gesellschaftlichen Schichten und alle Nationalitäten.

In der Ausstellung werden die unterschiedlichen Aspekte häuslicher Gewalt beleuchtet – rund 40 Informationsschilder nennen nicht nur Zahlen und Fakten, sondern spiegeln eindrucksvoll die Ursachen, Formen und Auswirkungen häuslicher Gewalt wider.

Was die Ausstellung so besonders macht: Besucherinnen und Besucher können in der nachgestellten Wohnung auf Entdeckungsreise gehen und hinter die schöne Fassade schauen. Ob Sie sich auf die Couch setzen, die Schränke öffnen oder den Anrufbeantworter abhören: Hinweise in allen Räumen zeugen von den Dramen, die dort stattgefunden haben. Zitate von Männern und Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren oder sind, machen diese Eindrücke noch plastischer.

Die Ausstellung informiert und überrascht, berührt und rüttelt auf. Sie macht wütend und manchmal auch sprachlos. Aber sie entlässt ihre Besucher nicht in Depression oder Niedergeschlagenheit, sondern weist auf Chancen und Wege hin, mit denen sich häusliche Gewalt überwinden lässt. Durch Plakate und Flyer zu Hilfs- und Beratungsangeboten erfahren die Besucherinnen und Besucher, welche erfolgreichen Strategien es gegen häusliche Gewalt gibt und wie sie selbst zu einer Verbesserung der Problematik beitragen können.

Während der Öffnungszeiten stehen Fachkräfte oder geschulte Mitarbeiter für Fragen oder Gespräche zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.