Der gefährlichste Ort für Frauen ist nicht etwa die Tiefgarage oder der düstere Bahnhofsvorplatz, sondern das eigenes Zuhause. Dort wird jede vierte von ihnen mindestens einmal im Leben Opfer von häuslicher Gewalt. Das Familienbüro der Stadt Melle organisierte unter dem diesjährigen Gleichstellungsthema „Häusliche Gewalt“ eine Fahrt zur interaktiven Dauerausstellung „Rosenstraße 76“ in den Berufsbildenden Schulen am Pottgraben in Osnabrück. 17 interessierte Frauen nahmen an dieser Fahrt teil.

„Es ist uns wichtig“, so die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Melle, Marita Feller, „der Tabuisierung häuslicher Gewalt entgegenzuwirken und mit derartigen Veranstaltungen dieses Thema stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen“.

Nach der Begrüßung durch Christa Krimmler und Max Iseringhausen (beide ehrenamtliche Mitarbeitende des Fachzentrums Faust), die die Führung begleiteten, hatten die Besucherinnen die Möglichkeit hinter die schöne Fassade der „Rosenstraße 76“ zu blicken. Ob sie sich auf die Couch setzten, die Schränke öffneten, die Nachrichten auf dem Handy lasen, den Anrufbearbeiter abhörten oder sich das Haushaltsbuch ansahen – in allen Räumen gab es Hinweise, die von den Dramen zeugten, die dort stattgefunden haben.

In dem anschließenden gemeinsamen Austausch über das Gesehene, war die Betroffenheit der Besucherinnen deutlich spürbar. Viele waren berührt, aufgerüttelt, wütend und manchmal auch sprachlos.

„Die Ausstellung zeigt jedoch auch Chancen und Wege auf, häusliche Gewalt zu überwinden“, erklärt Marion Brörmann vom Familienbüro Melle, die für die Organisation zuständig war „und der erste Schritt ist, das Schweigen zu brechen“.

In der Stadt und im Landkreis Osnabrück werden alljährlich rund 1.000 Fälle von häuslicher Gewalt bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

Der Träger der „Rosenstraße 76“ ist das Diakonische Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück – Faust Fachzentrum gegen Gewalt & für Täterarbeit und Opferschutz. Die Schirmherrschaft der interaktiven Ausstellung hat der Nds. Innenminister Boris Pistorius übernommen.

Der Internationale Gesprächskreis für Frauen „Habari“ ist aus einem Deutschsprachkurs der VHS für ausländische Frauen entstanden und wird weiterhin von dort unterstützt.  Er trifft sich jeweils am 3. Freitag im Monat von 17 bis 19 Uhr. Treffpunkt ist das Haus für Kinder und Familien, Familienzentrum St. Marien, Schürenkamp 15 in Melle-Mitte. Das aktuelle Jahresprogramm ist im Stadthaus oder auf der Internetseite der Stadt Melle unter www.melle.info erhältlich. Neue Teilnehmerinnen sind jederzeit willkommen!

 

Besuch Rosenstraße 76_Melle

Besucherinnen der Ausstellung „Rosenstraße 76“ zusammen mit Christa Krimmler (zweite von links) und Max Iseringhausen (rechts oben) vom Faust Fachzentrum.

Artikel und Foto: © Stadt Melle

Internationaler Gesprächskreis für Frauen „Habari“ besucht die Ausstellung „Rosenstraße 76“