Osnabrück. Häusliche Gewalt findet mitten unter uns statt: Zuhause, hinter verschlossener Tür, im sonst geschützten Wohnbereich. Die interaktive Ausstellung ‚Rosenstraße 76‘ informiert seit einem Jahr über das Thema Häusliche Gewalt und erreicht mit ihrer Botschaft zahlreiche Menschen. Bei einem Besuch von Innenminister Boris Pistorius konnte sich der Schirmherr selbst von der eindrucksvollen Wirkung überzeugen.

„Das Projekt ‚Rosenstraße 76‘ macht häusliche Gewalt greifbar und kann dabei helfen, diese fast unsichtbare Form der Kriminalität und ihre vielen Opfer besser verstehen zu lernen. Mich hat der heutige Besuch in der Ausstellung tief beeindruckt und gleichzeitig sehr nachdenklich gemacht, weil es in diesem Bereich eine sehr hohe und gleichzeitig leider auch verständliche Dunkelziffer gibt“, hebt Minister Boris Pistorius hervor. Als Schirmherr der ‚Rosenstraße 76‘ wirbt er dafür, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um der Tabuisierung häuslicher Gewalt entgegenzuwirken.

Die Ausstellung in Trägerschaft des Diakonischen Werkes in Stadt und Landkreis Osnabrück leistet vor allem einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention. „Gewaltprävention bedeutet immer Opferschutz und sollte so früh wie möglich beginnen.“, betont Geschäftsführer Hinrich Haake.

Häusliche Gewalt ist die stärkste Bedrohung für die Sicherheit von Frauen und Kindern und kommt in allen sozialen Schichten vor. Bildungshintergrund, Religionszugehörigkeit, Alter oder Einkommen spielen keine Rolle.

Studien belegen, dass jede vierte Frau in Deutschland Opfer körperlicher und/ oder sexueller Gewalt durch Beziehungspartner wird. Im Jahr 2016 wurden in Stadt und Landkreis Osnabrück 1111 Fälle häuslicher Gewalt polizeilich registriert. Die Dunkelziffer wird um das acht- bis zehnfache höher eingeschätzt.

Obwohl die Zahlen der Betroffenen derartig hoch sind, ist das Thema häusliche Gewalt nach wie vor ein Tabuthema. Wenn es zu Gewalt in Familien kommt, dann merken Freunde, Nachbarn und Bekannte häufig, dass „irgendetwas nicht stimmt“. Doch oft bleibt es beim unguten Gefühl. „Es ist wichtig, das Schweigen zu durchbrechen, zu hinterfragen und zu wissen, welche Hilfsangebote es gibt“, sagt Andrea Gebbe vom Diakonischen Werk. Sie ist Projektleiterin der interaktiven Ausstellung ‚Rosenstraße 76‘.

Der Name ‚Rosenstraße 76‘ steht für eine ganz normale, private Adresse, so wie sie in vielen Klein- und Großstädten und auf dem Land vorkommt. Doch so normal geht es hier dann doch nicht zu: Hinter der schönen Fassade entdecken die Besucher an vielen Stellen Hinweise auf die Dramen, die in dieser (fiktiven) Familie stattgefunden haben. Zusätzlich zeigen Informationsschilder an einzelnen Gegenständen Ursachen, Formen und Auswirkungen häuslicher Gewalt auf.

Auf Initiative des Ev. luth. Kirchenkreises Osnabrück und dank zahlreicher Unterstützer, wie den Evangelischen Stiftungen, der Diakonie in Niedersachen, der Stadt und dem Landkreis Osnabrück und dem ‚Fonds Frieden stiften‘ des Arbeitsfeldes Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, konnte die ‚Rosenstraße 76‘ als Dauerausstellung in den Berufsbildenden Schulen (BBS) am Pottgraben etabliert werden. Fachlich unterstützt wird das Projekt von den Beratungs- und Interventionsstellen der Stadt und dem Landkreis Osnabrück sowie der Polizeiinspektion Osnabrück. 17 ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeiter/innen übernehmen die Ausstellungsbegleitung.

„Der Austausch mit den Schülerinnen und Schülern, die heute mit mir hier waren, war intensiv und emotional. Das ist ein starkes Projekt über ein äußerst sensibles Thema, über das wir noch viel mehr sprechen müssen, dazu trägt die Ausstellung zweifellos bei“, bilanziert Pistorius seinen Besuch.

Bislang zählt die ‚Rosenstraße 76‘ – seit ihrer Eröffnung am 09. März 2016 – über 2.200 Besucher, darunter überwiegend Schulklassen. Anmeldung und weitere Informationen unter www.rosenstrasse76-osnabrueck.de

Foto_Frau Sarrazin

v.l.n.r.: Hartmut Marks-von der Born (Ev.-luth. Kirchenkreis Osnabrück), Andrea Gebbe (Projektleiterin „Rosenstraße 76“, Diakonisches Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück), Boris Pistorius (Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport), Monika Holtkamp (Polizeiinspektion Osnabrück), Kornelia Krieger (BISS Stadt Osnabrück), Heike Bartling (hinten) (BISS Landkreis Osnabrück), Ralf Korswird (Schulleiter BBS am Pottgraben)

Foto: Claudia Sarrazin

Schirmherr Boris Pistorius besucht ‚Rosenstraße 76‘ – Interaktive Dauerausstellung gegen Häusliche Gewalt feiert einjähriges Bestehen